Konzept

Raum

Rollen

Fortbildung

Differenzierung

Erzählen

Alter

Phase

Ergründen

Störungen

Einführung

Freispielphase

Material

Fragen und Antworten

Kann ich Godly Play/GOTT IM SPIEL in heterogenen Gruppen einsetzen?

Ja, Godly Play/GOTT IM SPIEL kann auch in heterogenen Gruppen praktiziert werden, zumal jede Gruppe sorgsam betrachtet immer schon eine heterogene Gruppe ist. Doch je nach Gruppenzusammensetzung und Heterogenitätsdimensionen bedarf es unterschiedlicher Formen angemessener Anpassungen und Differenzierungen.

Im Blick auf die Altersdifferenz gibt es mit GOTT IM SPIEL gute Erfahrungen. GOTT IM SPIEL ist generationenübergreifend mit Kindern, Eltern und Großeltern sehr bereichernd. Jedoch ist es hilfreich, vorab darauf hinzuweisen, dass alle gleichberechtigt agieren und jeweils ganz persönlich in den (Geschichten-)Prozess eintauchen mögen. Denn es ist immer wieder zu beobachten, dass Eltern und Großeltern sich zurückhalten und das Geschehen mit den Augen ihrer (Enkel-)Kinder verfolgen.

Im Blick auf kulturelle Unterschiede tragen die einfache Sprache von GOTT IM SPIEL und die non-verbale Kommunikation von Gesten und Geschichtenmaterialien dazu bei, Verständigung zu erleichtern. Hier ist zu bedenken, dass manche Gesten in anderen Kulturen mit anderen Bedeutungen belegt sind. Faszinierend war für mich die Erfahrung, dass die Kinder aus Syrien, denen ich 2015 in einer ‚Flüchtlingsunterkunft‘ die Exodusgeschichte erzählte, die Story nachvollziehen konnten und die Geschichte, die auch im Koran (7:137ff.) vorkommt, erkannten – obwohl sie kein Wort Deutsch oder Englisch verstanden.

Gendersensibel gilt es vor allem das Angebot in der Kreativphase zu gestalten. Hier sollte jeweils für Mädchen und Jungen etwas dabei sein, für Grob- und Feinmotorik, in allen Farben, für alle Aneignungstypen usw. Hinsichtlich gendersensibler Sprache gibt es bei den GOTT IM SPIEL-Geschichten noch Entwicklungspotenzial, das auf dem Weg zur Geschichtenpräsentation und beim Entwickeln neuer Geschichten weiter ausgeschöpft werden kann.

Eine Barriere im Bereich der sozio-ökonomischen Ungleichheiten könnte das Geschichtenmaterial und seine Kosten darstellen. Hier ist sicherzustellen, dass auch Kinder aus finanziell benachteiligten Familien und Gemeinden in gleicher Weise Zugang zu dieser Form des Geschichtenerzählens bekommen.

Zu religiösen Unterschieden und verschiedenen Formen der Begabungen bzw. Behinderungserfahrungen finden sich Hinweise unter der hier folgenden Frage zur Inklusion als auch unter der Frage nach interreligiösen Gruppen im Religionsunterricht (s.u. „Verwandte Fragen“). Wichtig ist wahrzunehmen, dass all diese Heterogenitätsmerkmale in einer Erzählgruppe sehr bunt gemischt sein können und eben auch in der einzelnen Person. Dafür sensibilisieren der Fachdiskurs zur Intersektionalität und das Konzept der inklusiven Religionspädagogik der Vielfalt (InReV).

Wolfhard Schweiker

Weiterlesen:

  • Schweiker, Wolfhard: Including the Difference – Embracing the New Vision. In: Roebben, Bert/Kammeyer, Katharina (Eds.): Inclusive Religious Education: International Perspectives. Zürich/ Berlin: LIT 2014, S. 153-169.
    Inklusive Religionspädagogik der Vielfalt: www.inrev.de

Verwandte Fragen:
Kann ich Godly Play/GOTT IM SPIEL auch in religionspluralen Gruppen bzw. im interreligiösen Unterricht einsetzen?

Welchen Beitrag kann Godly Play/GOTT IM SPIEL zur Inlusion leisten?

Inklusion bedeutet, dass alle Kinder bei Godly Play/Gott im Spiel willkommen sind, barrierefrei dazukommen und diskriminierungsfrei aktiv teilhaben können. Das ist ein sehr hoher Anspruch, der nicht leicht einzulösen ist. Das Konzept bietet nicht die Lösung, aber einzelne günstige Voraussetzungen. Dies hängt u.a. damit zusammen, dass Gott im Spiel auf die Pädagogik von Maria Montessori zurückgeht, die die Bedürfnisse von Kindern mit Besonderheiten und Behinderungserfahrungen aufmerksam im Blick hatte. In dieser Tradition öffnet Gott im Spiel die Türen für alle. Die Begleitperson begrüßt jede:n persönlich auf Augenhöhe. Ebenso macht es auch die Erzählperson. Sie unterstützt die Kinder bzw. Teilnehmenden, einen Platz im Kreis zu finden und diesen zu bilden: Eine pädagogische Form, die symbolisiert, dass alle denselben, gleichberechtigten Abstand zur Geschichte haben. Durch ihre achtsame Beziehung zu jeder einzelnen Person sorgen die Erzähl- und die Begleitperson für einen sicheren Raum (safe space), in dem sich alle vertrauensvoll mit den existentiellen Fragen des Lebens auseinandersetzen können, ohne ausgegrenzt oder ausgelacht zu werden. Nicht zuletzt fördern auch die biblischen und liturgischen Gott im Spiel-Geschichten den Geist der Inklusion, z.B. die zentrale Geschichte vom Guten Hirten. Darüber hinaus wird die Verständlichkeit der Geschichte durch die einfache Sprache, die Gesten, die Entschleunigung und die Unterstützung durch die Visualisierungen der Geschichtenmaterialien unterstützt. Auch das Theologisieren im Ergründungsgespräch wird dadurch erleichtert, dass die Teilnehmenden die Gesamtszenerie der Geschichte jeweils vor Augen haben und die Erzählerperson die Antworten durch Bewegungen von Figuren unterstützt. Auch in der Kreativphase, können die Materialien und Hilfsmittel an die Fähigkeiten und (sozialen, motorischen, psychischen) Besonderheiten der Teilnehmenden flexibel angepasst werden. Für Teilnehmende mit Hör-, Seh- oder Körpereinschränkungen sind jedoch Veränderungen unvermeidbar. So kann es hilfreich sein, im Stuhlkreis zu sitzen, auf einem halbhohen Tisch die Geschichte zu präsentieren, die Geschichtenmaterialien anzupassen oder bei Menschen mit komplexen Behinderungen die Geschichte im Eins-zu-eins-Kontakt als Mehrsinngeschichte (ergänzend) mit basal-perzeptiven Angeboten zu präsentieren.

Wolfhard Schweiker

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Inwiefern passt Godly Play/Gott im Spiel zum Bildungsauftrag des schulischen RU?