Godly Play gemeindepädagogisch reflektiert
Ulli Anhut arbeitet als Gemeindepädagogin seit über 20 Jahren mit Godly Play – erst in Moritzburg, dann in Ottendorf-Ockrilla. Auf dem sächsischen Regionaltag am 07. 11. 2026 wird sie dazu anregen, über die Wirkungen von Godly Play über die jeweilige Einzelgruppe und -situation hinaus nachzudenken. Das Gespräch mit Martin Steinhäuser öffnet das Thema schon jetzt.
Martin: Auf dem Hintergrund Deiner Erfahrung – wie kommt Godly Play aus der Gruppe heraus in die ganze Gemeinde?
Ulli: Im allerersten Schritt hat Godly Play mich verändert: als Pädagogin, meiner Haltung, Kindern gegenüber, Menschen gegenüber, dass nicht ich das Wissen habe, sondern dass wir gemeinsam den biblischen Text ergründen.
Zum anderen hat Godly Play die Ehrenamtlichen, die in den Kindergruppen mitarbeiten, verändert. Manche Eltern, die ich als Türpersonen gewonnen hatte, sagten dann, sie hätten dadurch ihre eigene Christenlehre nachgeholt, die sie nie erlebt haben, haben dadurch zum Glauben gefunden und sind zu Glaubenskursen gegangen.
Auch die Jugendlichen, die mittlerweile jetzt Konfirmanden oder woanders in der Gemeinde unterwegs sind, haben diese Haltung bis heute beibehalten. Das verändert die Gemeinde langfristig.
Das Vierte ist, dass Godly Play die Kinder an den Gottesdienst heranführt: das Abendmahl, die liturgischen Farben. All das haben die Kinder schon längst entdeckt und emotional verstanden bevor es im Konfirmandenunterricht besprochen werden kann. Von daher denke ich, da passiert ein tieferes Verständnis für das Geheimnis des Glaubens..
(Godly Play ist zugleich auch eine Ergänzung zur Pfadfinderarbeit beispielsweise. Es ist eine riesige Bereicherung für unsere Gemeindearbeit, dass beides nebeneinander miteinander bestehen kann. )
Und schließlich ist Godly Play ein klares Konzept, was auch den Familien hilft, sich zu orientieren. Die Elternbriefe wurden am Anfang, bei der Neueinführung des Konzeptes gern genutzt, aber nicht dauerhaft.
M: Wie kommen andere Gemeindeglieder darüber hinaus in Kontakt mit Godly Play?
U: Da ist z.B. der Umgang mit dem Godly Play-Material. Unser Raum ist ja offen zugänglich. Ich achte darauf, dass nichts kaputt geht. Es gibt immer wieder Fragen zu dem Material. Es regt die Menschen an. Insofern finde ich, dass schon allein das Material Gemeinde verändert.
Ich habe Godly Play auch mitgenommen auf Gemeinderüstzeiten, in Familiengottesdienste, in Mitarbeiterrüstzeiten. In der Dienstberatung in der Diakonie habe ich „Die heilige Familie“ präsentiert, und plötzlich waren Leute, die eigentlich sonst mit Glauben nicht viel anfangen konnten, von dieser Geschichte zutiefst berührt. Natürlich wähle ich auch sehr sorgfältig aus, wohin ich welche Geschichte mitnehme.
M: Kannst du noch etwas mehr zu den Ausstrahlungen deiner Godly Play-Arbeit erzählen?
U: Man sollte die langfristigen Wirkungen in der Haltung von Menschen, Jugendlichen, dann Erwachsenen, nicht unterschätzen. Interessant finde ich, dass die Leute, die ich damals ausgebildet habe, eine bestimmte Haltung zur Kirche, zu biblischen Texten, eine theologische Haltung entwickelt haben. Nicht ich bin im Besitz der Wahrheit, sondern wir erschließen uns etwas gemeinsam. Und das ist eine Godly Play-typische Haltung. Dieses gemeinsame Erkunden, und das ist ja das, was wir wirklich versuchen wollen, auch in die ganze Gemeinde zu bringen.
