Godly Play in der Kinderklinik-Seelsorge

Martin Steinhäuser

Unter diesem Titel stellten die beiden Klinikseelsorger Doug Watts und Ryan Campbell ihre vieljährigen Erfahrungen in einem großen Kinderkrankenhaus in Dallas, USA vor. Ihr Workshop gehörte zu den spannensten inhaltlichen Angeboten einer viertägigen nordamerikanischen Godly Play-Konferenz, die vom 19.-22. Juni 2013 in Toronto stattfand. Von den 180 Teilnehmenden kamen ca. 75 aus Kanada, 75 aus den USA und ca. 20 aus „overseas countries“. Ulrike Labuhn (Berlin) und Martin Steinhäuser (Leipzig) vertraten Deutschland. Die Größe der Konferenz machte alles etwas unübersichtlich, aber dennoch gehörten die vielen persönlichen Begegnungen und der mit ihnen verbundene Godly Play-Praxisaustausch zu den eindrücklichsten Erfahrungen. Die meisten Teilnehmenden waren Frauen aus dem Spektrum protestantischer Kirchen, die ehrenamtlich mit Godly Play in Kirchgemeinden arbeiten - ohne grundständige religionspädagogische Ausbildung, mit wenig theoretischem Interesse, aber jeder Menge praktischer, langjähriger Erfahrungen. Darin deutet sich an, wie unterschiedlich die Bildungskontexte zwischen Nordamerika und Deutschland sind. Dennoch entsteht ein wechselseitiges Lernen. Anregend für uns waren aus dieser Konferenz z.B. einige Passagen der drei Referate, die Prof. Dr. Joyce Ann Mercer als Hauptrednerin hielt. 

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Mercer ist als Advokatin einer Theologie der Kindheit („Welcoming children – a practical theology of childhood“, 2009) und engagierte Erforscherin der Spiritualität junger Mädchen bekannt geworden. Die Leitidee ihrer Referate war, das Spiel der Kinder theologisch zu interpretieren, und zwar vom Wirken des Heiligen Geistes her. „Der Heilige Geist ist die Art, wie sich Gott im Spiel mitteilt. Und umgekehrt: Wenn wir spielen, ist Gott als Heiliger Geist am Werk. … Spiel ist notwendig, um Veränderungen [transformation] herbeizuführen“. Mercer: Play and Theology
Eines der Ziele der Veranstalter war es, die internationale Ausbreitung und Kontextualisierung von Godly Play durch konkrete Personen sichtbar zu machen. So gab es ein Podium mit VertreterInnen aus 7 Ländern (Europa, Australien, Südafrika), und Berichten über erste Schritte in vielen weiteren Ländern, bis hin nach Indien, Korea und Japan. Dieses Podium verdeutlichte, wie sich Godly Play im Stil einer „Basisbewegung“ immer weiter verbreitet, vorangetrieben vom persönlichen Engagement Einzelner und Gruppen. Das ist ein höchst faszinierender Vorgang, der etwas „katholisches“ im ursprünglichen Sinn des Wortes hat – bei aller regionalen Spezifik sind es dieselben Geschichten und Grundideen, die sich in verschiedensten Kontexten anwenden und diskutieren lassen. Am Rande des Podiums konnten die deutschen Teilnehmenden die englische Synchronisation ihres Films „Was ist Godly Play?“ präsentieren, der viel Zustimmung fand. Für die mitgebrachten 30 DVDs spendeten die Teilnehmenden 240$, die jetzt dem Aufbau von Godly Play in Litauen weitergegeben werden. Vielleicht ein Indikator: Seit Mai 2012 wurde die deutsche Fassung ca. 3.000mal bei Youtube aufgerufen – aber die englische Fassung schon über 500mal, seit sie am 27.6.2013 hochgeladen wurde.
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Toronto ist eine quirlige Riesenstadt mit 6,5 Mio Einwohnern und der größten ethnischen Durchmischung, die man sich denken kann. Die Konferenz fand im ehrwürdigen Trinity-College der Universität statt – mitten im Zentrum. Es war nicht weit zur neu gebauten innerstädtischen Kinderklinik (800 Betten), wohin eine Exkursion im Anschluss an den Workshop zum Einsatz von Godly Play in der Kinderklinikseelsorge ging.

 

 

 


Kinderklinik-Seelsorge-03Es war beeindruckend zu sehen, wie die neuesten Einsichten zu ganzheitlichen und lebensweltbezogenen Heilungsprozessen Ausdruck in der Architektur des Hauses fanden.
Daran ist zunächst nichts Godly Play-spezifisches. Und auch die Grundlagen, die Watts und Campbell erläuterten, würde in jedem allgemeinen pastoralpsychologischen Konzept gelten.

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Doch Godly Play bietet zu diesem Setting eine spezifische Form an, selbst unter intensivmedizinischen Bedingungen den Kindern Möglichkeiten des verbalen und nonverbalen Ausdrucks ihrer Ängste und Hoffnungen, ein „sicherer Raum“ mitten in einer ängstigenden Umgebung.

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In der Seelsorgeausbildung wird dann nicht an Seelsorge-Protokollen (sog. Verbatims) gearbeitet, sondern die Teilnehmenden präsentieren Geschichten, die sie mit Kindern erprobt haben. Und ein weiteres Spezifikum sei genannt: Godly Play hilft, sich vorzubereiten, die Schwelle zu beachten und die Beziehung schrittweise aufzubauen, ohne die keine Heilung anfängt.

 

 

 

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