Kolleg der europäischen Godly Play-Fortbildner

Flughafen

Auf dem Flughafen schreiben
Heidi und Sheila
noch schnell
den Country-Report fertig…



Zum ersten Mal trafen sich Godly Play-Fortbildner aus verschiedenen Ländern Europas zu einer gemeinsamen viertägigen Konferenz. Eingeladen hatten die englischen Godly Play-Kolleginnen und Kollegen. Diese Konferenz soll zukünftig alle 4 Jahre stattfinden, immer abwechselnd mit der breiter angelegten Godly Play-Europakonferenz, zu der auch Erzählerinnen und Erzähler eingeladen sind und die das nächste Mal im Herbst 2016 in Riga (Lettland) stattfinden wird (Details dazu später auf dieser Website). Die Besonderheit des europäischen Fortbildner-Kollegs besteht darin, dass das Leitthema sowie die Workshops in besonderer Weise auf Fragen der Fortbildung, der Kursgestaltung und der Kompetenzen der Fortbildnerin und Fortbildner eingehen.

 Altes Kostertor




Mächtiges altes Eingangstor
zur Kloster-und Kathedral-Anlage







 Ely




Ely ist ein kleines Städtchen mit
niedrigen Häusern und 20.000
Einwohnern






 Kathedrale-ElyGesamt


























Die mächtige Kathedrale (13.Jh.) dominiert den ganzen Ort

Heidi Ebel berichtet:
Für uns Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 10 Ländern Europas und unterschiedlichen Konfessionen ging es in diesen vier Tagen um die Frage der geistlichen Begleitung der Kinder, mit denen wir in den Godly Play Einheiten zusammen sind. Was gehört zur geistlichen Begleitung? Wie sind die Kinder schon spirituell „unterwegs“ und wie kann darauf noch mehr Aufmerksamkeit gelegt werden? Die Erfahrungen in den verschiedenen Ländern reflektierend fragten wir auch: Was bedeutet dies in Zukunft für die Ausbildung der Godly Play Erzähler? Und sollten wir nicht der Rollen mehr gerecht werden, in dem auch der Name Godly Play Erzähler geändert wird? Wir sind doch eigentlich Begleitende der Kinder, und das in verschiedenen Dimensionen. Dass die geistliche Begleitung eine sehr wesentliche Aufgabe dabei ist, zeigte sich noch nicht am Anfang des Weges mit Godly Play, wird aber nun im Laufe der Jahre immer deutlicher. Und dies bestätigten die Fortbildner aus den verschiedenen europäischen Ländern.
Für alles Nachdenken und Diskutieren zu diesen Fragen waren Tagungsort, Tagungsablauf, Vorbereitung durch das Team von Godly Play UK sowie Hauptreferat und Workshops bis hin zum spätsommerlichen Wetter wunderbar geeignet. Die einladenden Räume des Bishop Woodford House als geistliches Einkehrzentrum mit einem bezaubernden großen Blumengarten und die freundlichen Gastgeber sorgten für ein äußeres Wohlbefinden und ein Hineinkommen ins Thema.

 Bishop Woodford House Ely





Bishop Woodford House







Unser eigenes geistliches Begleitprogramm kam natürlich aus dem „Fundus“ von Godly Play, aber auch aus der anglikanischen Tradition. Evensong in der „Lady Chapel“, ein Seitenbau der großen Kathedrale, eine Complite in der Kapelle des Tagungshauses und der Besuch der Kathedrale von Ely und die Führung bis auf die Spitze des wunderschönen Oktogons, des östlichen Vierungsturmes, haben uns tief beeindruckt.
Für unser Fortbildner-Kolleg in Deutschland nehmen wir die Aufgabe mit, auf die geistliche Dimension bei Godly Play in den Fortbildungen mehr Wert zu legen und darüber auch in den Regionalgruppen das Gespräch zu suchen.

Rachel McIntyre berichtet vom Hauptvortrag der Konferenz: „Die Kunst geistlicher Begleitung“:
Gemma Simmonds, die Hauptrednerin der Konferenz ist Schwester der “Congregation of Jesus” und Senior Lecturer in “Pastoral & Social Studies & Theology” bei Heythrop College, England.   Sie hat über die Jahre in mehreren Ländern gearbeitet - als Lehrerin, mit Strassenkindern, als Universitätsgeistliche, Gefängnisseelsorgerin, und heutzutage im Bereich geistliche Begleitung.

 HauptvortragGemma-Simmons




















Ihre Rede am zweiten Tag der Konferenz war zunächst wegen ihre Art sehr beeindruckend. Sie redete eine Stunde frei und mit einer wunderbaren Mischung aus Wissen, Erfahrung und Mitgefühl. Auffallend war auch ihre Stimme - da sie oft Radiosendungen macht, hat Gemma Simmonds  eine besondere “BBC-Aussprache”!
Aber abgesehen von diesen Dingen, war es doch der Inhalt ihres Vortrags, der alle versammelten europäische Trainer berührt hat - und zum Teil sehr persönlich und tief. Gemma Simmonds hat uns daran erinnert, dass Kinder eine besondere Kapazität für die „grosse“ Fragen haben, einen „Godly Space“ (ein besonderer Raum/Platz für Gott) in ihrem Inneren. Das sei es, was wir als Erwachsene versuchen zu pflegen und womit wir uns auseinandersetzen. Simmonds verdeutlichte mit vielen Beispielen die große Verantwortung, die wir für die geistliche Begleitung der Kindern tragen. Sie unterstrich, dass, wenn ein Kind eine Frage nach Gott stellt, es oft die Fähigkeit in sich hat, die Antwort selbst zu finden. Gemma beschrieb Hebamme, Gärtner und Begleiter oder Gefährte als Bilder der Rolle von Fortbildenden, wenn sie versuchen, Kinder oder auch Erwachsene geistlich/spirituell zu begleiten.
Noch ein Bild, das Gemma Simmonds gezeichnet hat, war, dass Erwachsene den „Rucksack“ des Kindes verantwortlich mit „Proviant“ füllen können, damit es in der Zukunft reingucken kann, und etwas rausholen um zu sehen, ob es eine angemessene Antwort ist auf die Frage, vor der das Kind gerade steht.
Wenn wir diese Gedanken wahrnehmen, was bedeutet es dann - nicht nur für unsere eigene Kontakt zu und Beziehungen mit Kindern, aber auch wie wir Godly Play-Kurse leiten?  Wie unterstützen wir die ErzählerInnen danach, wenn diese wiederum versuchen, mithilfe von Godly Play Kinder geistlich zu begleiten? Wie fast immer bei Godly Play, gingen wir aus dem Hauptvortrag und den darauf bezogenen Kleingruppen dem Gefühl, dass wir uns weitere Fragen stellen müssen und darüber noch mehr „wondering“ zu tun haben.

 Workshop-Berrymans-Jesus-Geschichten




Workshop zu Berryman Jesus Geschichten (Vol.VIII) mit verschiedenen Varianten der Bildtafel-Gestaltung in der Kapelle des Tagungszentrums





Sheila Whittenberg berichtet vom Workshop zum Thema "Ubersetzungen von Godly Play-Geschichten":
In diesem Workshop tauschten sich die Fortbildner über die Herauforderungen von Übersetzungsarbeit aus. Die VertreterInnen aus Finnland und Deutschland haben die Erfahrungen ihrer eigenen Länder mitgeteilt. Eigentlich spannend ist dieses Thema in Ländern wie der französischen Schweiz, Weisrussland, Holland etc, wo es bislang keine übersetzten Bücher gibt. Besonders herausfordernd ist nicht nur die linguistische Übersetzung, sondern eine kulturelle Übersetzung. Als Schrittfolge bietet es sich an, am Anfang nah an dem englischen Text zu bleiben, bis die jeweilige Geschichte mit Kindern in dem entsprechendem Land getestet werden kann. Alle Teilnehmer äußerten den Wunsch, eine schriftliche Leitlinie vom Godly Play Foundation zu bekommen, damit die "neuen" Länder sich besser orientieren können.

Ruth Magsig berichtet vom Workshop „Beyond the coretraining“
Zum einen diente dieser Workshop dem Austausch darüber, was in den einzelnen Ländern bereits angeboten wird, um ausgebildete Erzähler auch weiterhin zu begleiten und weiterzubilden. Formate und deren Inhalte waren gefragt.
Auf der anderen Seite waren alle Teilnehmenden noch ungemein beeindruckt und inspiriert von Gemma Simmonds Gedanken zur „Geistlichen Begleitung“.
Diese beiden Zugangsweisen spiegeln sich in den Fragen, die wir miteinander bedachten: „Wie wird die fortlaufende Unterstützung der ausgebildeten Erzähler (warum ich das kursiv schreibe, erkläre ich weiter unten) in den verschiedenen Ländern gehandhabt?“ „ Wie und wo könnten wir kooperieren?“ „Welche Leerstellen / Notwendigkeiten / Bedürfnisse nehmen wir in unserer Erzählerausbildung wahr, die wir in weiterführenden Angeboten aufgreifen müssen?“ „ Wo und wie findet der Gedanke der geistlichen Begleitung seinen Niederschlag in unseren Angeboten für Godly Play Praktizierende, Erzähler und Fortbildner?“

 

Um es vorweg ganz persönlich zu sagen: der einschneidenste Beitrag war für mich der der Finnen – weil sie davon berichteten, dass sie sich entschieden hätten, die beiden Erwachsenen in Godly Play nicht mehr hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Rollen zu bezeichnen. Beide sind dort „spiritual guides“. Folgerichtig werden nun nicht mehr „Erzähler“ ausgebildet oder ein „Erzählkurs“ angeboten. daher die Kursivschrift oben. Die Reduzierung der zu erlernenden und später einzunehmenden Rolle / Funktion „Erzähler“ und „Türperson“greift eben zu kurz, wenn man die Aufgabe und Verantwortung einer geistlichen Begleitung der Kinder ernst nimmt. Sowohl die Erwartung der Teilnehmenden als auch tendenziell die Gestaltung der Inhalte und des modellhaften Lernens in einer Ausbildung werden möglicherweise schon durch unsere Begrifflichkeiten zu eng geführt.
Wie die Komponente der geistlichen Begleitung bei einem Erzählerkurs auch immanent gegenwärtig sein könnte – schließlich hat auch ein Curriculum seine zeitlichen und inhaltlichen Grenzen – dazu gab es folgende z.T. neue, z.T. praktizierte Ideen: Schweigezeit nach dem Mittagessen – überhaupt: Stille als ein Element von Godly Play auch im Erzählkurs erlebbar machen - Gebetszeiten auf eine „Godly-Play-Weise“ - Kurs nicht nur mit einem Doppelteam aus Fortbildnern, sondern mit einem größeren Team (müssen keine Fortbildner sein, sondern einfach im biblischen sinn „geistliche Begleiter“) – 3er encounter-groups unter den Teilnehmenden bilden für die Zeit vor, während und nach dem Kurs (also nicht nur zum Geschichten lernen!) –  3er Teams von Fortbildnern (evtl. sogar auf europäischer Ebene), die einander persönlich und geistlich begleiten könnten, bilden (Skype) – mit dem Ausbildungsteam für die Teilnehmenden beten – immer wieder transparent machen: Godly Play ist mehr als religionspädagogisches Handwerkszeug - Gott als Mitspieler bewusst machen.
Weitere schon erprobte oder möglicherweise in Angriff zu nehmende Ideen: mit Experten in geistlicher Begleitung / Spiritualität vernetzen - entspr. links auf der website - bei der Ausschreibung zum Einführungstag schon gleich einladen, zu zweit zu kommen (weil Godly Play zwei Erwachsene braucht) – Godly Play Einkehrtage für Praktizierende.
In diesem Workshop war für mich spürbar, wie sich das kleine Senfkorn Godly Play europaweit entfaltet – nicht nur in die Weite, sondern gerade auch in die Tiefe. Die neu und wieder geweckte Bewusstheit für die spirituelle Dimension in Godly Play hat mich persönlich erfrischt, sozusagen das „Brennen in meinem Herzen“ wieder entfacht. Ich habe Lust darauf, das nun in die Praxis meiner eigenen Godly Play-Angebote und in den großen Kontext der Qualifizierung und Weiterentwicklung von Godly Play hinein zu buchstabieren.

Martin Steinhäuser berichtet vom Workshop „Forschung“:
In der konzeptionellen Weiterentwicklung und Forschung von Godly Play spielen die Fortbildnerinnen und Fortbildner eine Schlüsselrolle, weil von ihnen angenommen werden kann, dass sie über die umfassendsten Kenntnisse und Erfahrungen verfügen. Allerdings sind sie selbst stark in Godly Play hinein verwickelt, also Teil des Systems und von daher in ihren Perspektiven auf Godly Play möglicherweise befangen.
In diesem inhaltlichen Spannungsfeld kam Teilnehmende aus verschiedenen Ländern zusammen, um folgenden Fragen nachzugehen: Wer forscht wo zu welchen Themen? Wie könnten nicht publizierte Materialien zugänglich gemacht werden? Wie könnten die Zugänge „Kinder als Forscher“ sowie das „Aktion-Reflexion-Verfahren für Praktiker“ für Godly Play nutzbar gemacht werden? Könnte es sinnvoll sein, eine Godly Play-Forschergruppe auf europäischer Ebene zu etablieren, mit einer internen Kommunikationsstruktur, wechselseitiger fachlicher Beratung und externer Kommunikation? Nur wenige Fortbildner beteiligen sich selber an Forschungsprojekten - wie können mehr Fortbildner einbezogen werden? Sollten bestimmte Methoden entwickelt werden, speziell für Forschungsarbeiten von Studierenden? Welche Projekte sind geeignet, um über Godly Play hinaus in den Bereich der Spiritualität von Kindern forschend tätig werden zu können? Braucht die Godly Play-Forschung eine spezifische Sprache, die sich vom Diskurs über das Theologisieren mit Kindern unterscheidet?
Natürlich war die Workshop-Zeit viel zu kurz, um diese Fragen umfassend zu beantworten. Aber immerhin war dies die 1. Gelegenheit überhaupt, um diese Fragen zu sammeln und auf europäischer Ebene ins Gespräch zu bringen. In den Diskussionen wurde deutlich, dass der Begriff „Research“ im englischen Gebrauch sehr viel weiter gefasst ist als im Deutschen („Forschung“). Auch das Problem eng begrenzter finanzieller und zeitlicher Forschung-Ressourcen wurde rasch deutlich. Umso wichtiger erschien es, das Vorhandene wechselseitig besser zugänglich zu machen, wobei natürlich die Sprachbarriere hinderlich ist. Als konkrete Perspektiven wurde ins Auge gefasst, eine webgestützte Kommunikation zu ermöglichen sowie der nächsten europäischen Godly Play-Konferenz (2016 in Riga) eine Kurztagung zu Forschungsfragen vorzuschalten.

Germany





Die fünf Germans






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